GOTTESDIENSTE

Immanuel-Kirche

Für die Immanuel-Kirche in Marten, Bärenbruch 17-19, werden im Rahmen der StadtPilgerTouren Führungen angeboten.

Beim Ev. Bildungswerk Dortmund können Sie unter dem Stichwort Immanuelkirche Führungen in der Immanuelkirche finden und sich auch anmelden.

Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Immanuelkirche am 18. März 1908 eingeweiht.
Über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtete der Architekt einen Zentralbau mit innerer Kuppel im Stil des Historismus; Rundbogen und Würfelkapitelle zitieren Elemente romanischer Architektur.
"Ein feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen", der Anfang des Lutherischen Reformationsliedes, als Dreipass auf der Fassade in Stein gehauen, beschreibt den burgartigen Charakter des Bauwerkes: bossierte Quader, aus Westerwälder Granit gehauen, verdeckte Eingänge, schmale Fenster vermitteln den Eindruck von Wehrhaftigkeit. Die asymmetrische Anordnung der Schauseite mit links eingestelltem Turm, dessen Spitze weit über die Dächer der Kirche ragt, und der weitaus niedrigeren Überdachung eines Einganges auf der rechten Seite verweist auf Gestaltungsprinzipien des Jugendstils.

Jugendstil in der Immanuelkirche

Im Gegensatz zur historisierenden Gestaltung des Äußeren ist der Innenraum im Sinne des Jugendstils ausgeführt: helle Farben und die Lust am Dekor fesseln das Auge.

Die Farbpalette umfasst nur wenige Farben: Hellblau und Lindgrün für die Wände, unterschiedliche Beige- und Brauntöne für die Ornamente und die ikonographischen Motive; dazu tritt das Tomatenrot der Bodenfließen, das Weiß der Stuckarbeiten und das Gold, das vor allem der ornamentalen Gestaltung des Orgelprospektes vorbehalten ist. Die Farben sind ausschließlich der Ästhetik und der Funktion verpflichtet, einen hellen Raum zu schaffen, sie haben keinen symbolischen Wert wie in mittelalterlichen Kirchen.

Ornamentik gestaltet den Innenraum, flächendeckend und raumteilend zugleich. Bei genauer Betrachtung reduziert sich ihre scheinbare Vielfalt auf einige Grundformen: stilisierte Blumen und Blätter, Flechtwerk, griechische Kreuze, Spiralformen und Linien. Auf die Wand gemalt, in Stein gehauen, in Stuck gegossen, in Eisen gehämmert und in Holz geschnitzt werden sie zu größeren Ornamenten zusammengefügt, die sich im Rapport rhythmisch wiederholen. Ein besonderer Blickfang ist die Bemalung der Brüstung der Empore: Stilisierte Palmetten in hellem Blau, zu Ornamenten gebündelt, wiederholen sich entsprechend der polygonalen Brechung des Mauerwerkes.

Der Altarraum

Der Altarraum wird beherrscht von dem monumentalen Ensemble, das Altar und Taufstein, Kanzel und Orgelprospekt bilden.
Entsprechend dem Wiesbadener Programm, das den Kirchraum als Versammlungsraum der Gemeinde begreift, sind alle Prinzipalstücke so angeordnet, dass der liturgische Verlauf eines Gottesdienstes von fast jedem der knapp 1000 Sitzplätze verfolgt werden kann. Der in den Raum gerückte Altar lädt die Gemeinde ein, beim Abendmahl einen Kreis zu bilden. Die zentrale Position der Kanzel wiederum ermöglicht es der Pfarrerin, dem Pfarrer zu allen Gottesdienstbesuchenden in Blickkontakt zu treten.
Der Orgelprospekt rahmt ein fünfteiliges Fenster, in dessen Verglasung musizierende Engel und Kinder dargestellt sind. Seine goldfarbene Ornamentik im Jugendstil bildet einen prächtigen Hintergrund für die gestaffelte Anordnung von Altar und Kanzel, die von einem Kreuz bekrönt wird. Der Triumphbogen fasst, ganz im Sinne des Architekten, "das Bild von Altar, Kanzel und Orgel stimmungsvoll" zusammen, hat jedoch darüber hinaus einen eigenen Stellenwert: Seine malerische Gestaltung als keltisches Flechtwerk, in das 7 Ornamente eingefügt sind, bildet in der Farbgebung die optische Klammer zu den Bögen der Seitenfenster; die ikonographische Gestaltung thematisiert die Dreieinigkeit Gottes.

Die Kuppel

Über dem zentralen Quadrat des Innenraumes wölbt sich die flache Innenkuppel, in deren Mitte ein Rundfenster in farbiger Verglasung eingelassen ist. Eine Taube, sichtbar in der Mitte des Fensters, symbolisiert den Heiligen Geistes, der sich über die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde ausbreitet. Stilisierte Rosen, aus Stuck gegossen, unterbrechen einen gemalten Strahlenkranz, der das Fenster umgibt.
In den Zwickeln, die die Kuppel mit den Gurtbögen der "Seitenschiffe" bildet, sind die vier Evangelisten Mattheus, Markus, Lukas und Johannes in ihrer Symbolik als Engel, Löwe, Stier und Adler dargestellt. Ornamente in der Form gemalter Voluten rahmen die Darstellungen zu Bildern.

Das Toilettenhaus

Der ursprüngliche Plan des Architekten, Toiletten in das Kirchgebäude einzubauen, fand nicht die Zustimmung des königlichen Konsistoriums als der Bauaufsichtsführenden Behörde. So wurde im gebührenden Abstand hinter der Kirche ein Toilettenhaus errichtet. Es verkam zum schlecht gepflegten Schuppen mit bemoostem Dach, als im Kirchgebäude eine bequemere Lösung für die oft dringendsten menschlichen Bedürfnisse geschaffen worden war. Ende der 90iger Jahre nahmen Pläne, hinter der Kirche ein neues Gemeindehaus zu bauen, Gestalt an. Und es gab es keinen Zweifel: das Toilettenhaus, schon lange ein Ärgernis, muss weg. Doch da stand plötzlich das Veto des Denkmalschutzes im Raum: Das Toilettenhaus bleibt. Ungläubiges Kopfschütteln, Ärger machten sich breit, bis dem Architekten die rettende Idee kam: Das Häuschen sanieren, anstrahlen, mit einem Glasgang umbauen und angemessen einrichten, damit es bleibt, was es war: ein Sitzungsraum!